Alles auf einen Blick

Durchblutungsstörungen

Bei der so genannten Schaufensterkrankheit handelt es sich um eine Durchblutungsstörung der Beine. Die Erkrankung gehört zu den chronischen Gefäßkrankheiten der Arterien. Sie entsteht durch Einengung oder Verschluss der Blutgefäße.

Einleitung

Die Schaufensterkrankheit, fachsprachlich periphere arterielle Verschlusskrankheit ("pAVK") genannt, ist eine Gefäßerkrankung, die meist die Beine betrifft. Die Hauptursache der arteriellen Durchblutungsstörung ist die so genannte Arteriosklerose, die zu einer zunehmenden Arterieneinengung bis hin zum kompletten Gefäßverschluss führt. Ablagerungen und Engstellen (so genannte Stenosen) in den Becken- und Beinarterien führen zu einer schlechten Durchblutung und einer Unterversorgung des Gewebes hinter der Gefäßenge.

Wodurch entsteht eine arterielle Durchblutungsstörung?

Hauptursache der arteriellen Durchblutungsstörung ist die eingangs bereits erwähnte Arteriosklerose. Deren Ursprung ist vielschichtig, wobei eine ererbte Anlage sicherlich vorrangig ist. Zusätzlich begünstigen viele weitere Risikofaktoren deren Auftreten. Zu diesen Faktoren gehören insbesondere Rauchen, Diabetes, Bluthochdruck, erhöhte Blutfettwerte und eine ungesunde Lebensweise mit wenig körperlicher Bewegung sowie falsche Ernährung. Grundsätzlich ist die Arteriosklerose aber auch ein degeneratives Leiden des höheren Lebensalters und betrifft praktisch alle Hochbetagten.

Welche Symptome treten bei einer arteriellen Durchblutungsstörung auf?

Heimtückisch an der Schaufensterkrankheit ist, dass man sie lange Zeit nicht bemerkt. Die typischen Schmerzen in den Beinen (Wade, Fuß, seltener Oberschenkel oder Gesäß), die nach dem Zurücklegen einer gewissen Wegstrecke auftreten und beim Stehenbleiben wieder abklingen, treten erst auf, wenn das Gefäß schon über 50 % eingeengt ist. Die Krankheit wird also zumeist erst in einem bereits recht fortgeschrittenen Stadium bemerkt und schreitet ohne Behandlung weiter voran. Hinzu kommt, dass in der Regel nicht nur die Beinarterien von der Arteriosklerose betroffen sind, sondern auch die Gefäße des Herzens und des Gehirns, ja aller Organe - so drohen zusätzlich beispielsweise Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Die Beschwerden der Betroffenen sind vom Stadium der Krankheit abhängig. Sie reichen anfangs von subjektiver Beschwerdelosigkeit ("asymptomatisches Stadium") über belastungsabhängige Schmerzen mit Einschränkung der Gehstrecke ("Claudicatio intermittens", oft zusammen mit einem einseitig kalten Fuß oder Bein) bis hin zum Absterben von Gewebe. Das Fortschreiten der Erkrankung zeigt sich in der Verkürzung der Zeitspanne zwischen Beginn der Belastung und Auftreten der Beschwerden. Die Lokalisation der Schmerzen (Waden-, Oberschenkel-, Gesäßmuskulatur) lässt auf die Höhe der Engstellung ("Stenose") oder des Verschlusses im Gefäß schließen.

Nach dem Schweregrad der Symptome wird die pAVK in verschiedene Stadien eingeteilt:
Stadium I

Die pAVK entwickelt sich allmählich und kann lange Zeit unbemerkt bleiben. Es findet jedoch schon eine Verengungen der Arterien statt, ohne dass jedoch Beschwerden auftreten.

Stadium II ("Schaufensterkrankheit")

Nach dem Gehen einer gewissen Strecke verspürt der Patient Schmerzen - häufig in der Wade, etwas seltener im Oberschenkel, Gesäß oder Fuß. Mit den Schmerzen signalisiert die Muskulatur, dass sie unter Sauerstoffmangel leidet. Beim Gehen wird sie nämlich stärker beansprucht, braucht mehr Sauerstoff und muss entsprechend besser durchblutet werden. Dies ist nun aber nicht möglich, durch die verengten Arterien kann nicht so viel Blut fließen wie benötigt wird. Die Schmerzen zwingen zu regelmäßigen Pausen, was diesem Krankheitsstadium den Namen gegeben hat. Nicht selten wird die Erholungspause durch den unauffälligen Halt vor einem Schaufenster getarnt.

Stadium III

Gelingt es nicht, die pAVK zu stoppen, wird die Durchblutung immer weiter behindert. Die Schmerzen stellen sich dann auch in Ruhe ein, besonders nachts, wenn die Beine liegen.

Stadium IV

Weitere Folgen der schlechten Durchblutung: auch kleinste Verletzungen heilen nur noch schlecht, Infektionen und Geschwüre können auftreten. Kann ein ausreichender Blutfluss nicht wieder hergestellt werden, stirbt Gewebe ab. Im schlimmsten Fall ist sogar eine Amputation notwendig.

Wie stellen wir eine arterielle Durchblutungsstörung fest?

Die Diagnose sowie die Bestimmung des Schweregrades einer chronischen arteriellen Verschlusskrankheit stellt in der Regel keine Schwierigkeiten dar und kann zumeist allein schon durch eine Befragung des Patienten im Rahmen einer Betrachtung seiner medizinischen Vorgeschichte ("Anamnese") sowie durch eine körperliche Untersuchung gestellt werden.

Weitere Untersuchungen die angewandt werden, sind:
  • Messung Knöchel-Arm-Index (vergleichende Blutdruckmessung an den Armen und Beinen)
  • Tasten des Pulses an den Beinen, an den Armen, am Hals und der Bauchschlagader
  • Abhören von Strömungsgeräuschen über den Gefäßen
  • so genannte "Ratschow-Lagerungsprobe"

Ergänzende, insbesondere apparative Untersuchungsmethoden (Darstellung der Gefäße mittels Computer-Tomographie, Kernspin-Tomographie oder Angiographie), spielen vor allem eine Rolle für die Therapieplanung bei einer höhergradigen arteriellen Verschlusskrankheit.

Wie behandeln wir eine arterielle Durchblutungsstörung?

Grundsätzlich stehen je nach Lokalisation und Stadium des Gefäßschadens verschiedene und sehr unterschiedliche Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung:
Im frühen Stadium der peripheren arteriellen Durchblutungsstörung bildet Gehtraining die Grundlage jeder Behandlung. Damit sollen die Beschwerden verringert und die Gehstrecke verlängert werden. Gerade die Bewegung zu üben, die doch Schmerzen hervorruft, erscheint auf den ersten Blick widersprüchlich. Aber das regelmäßige Training ist erwiesenermaßen sehr wirksam. Es führt unter anderem zur Bildung neuer Blutgefäße, die einen verstopften Gefäßabschnitt umgehen und die Muskulatur wieder mit Sauerstoff versorgen können. Die Schmerzen nehmen ab, die mögliche Gehstrecke wird oft erheblich verlängert. Ein solches Training sollte täglich durchgeführt werden. Gut geeignet sind auch Radfahren oder Treppensteigen.

Zur Therapie der pAVK steht dem Arzt auch eine Reihe von Medikamenten zur Verfügung: Thrombozytenfunktionshemmer (wie Aspirin ®) und Gerinnungshemmer sollen in erster Linie das Fortschreiten der Erkrankung verhindern oder wenigstens verzögern.

Ganz besonders Wichtig ist auch das Ausschalten der Risikofaktoren. Verzicht auf Nikotin, Einstellung von Bluthochdruck und Diabetes sowie Senkung des Cholesterins sind hier dringend angezeigt.

Um die Engstellen der Arterien direkt anzugehen, sind invasive Maßnahmen möglich. Diese gliedern sich in Katheterverfahren mit ggf. zusätzlichem Einsetzen eines "Stents" (einem "Stützkorsett" für die Arterie) und operative Verfahren (Bypass-Operationen, dabei wird durch eine künstliche "Umleitung" der verschlossene Gefäßabschnitt überbrückt). Es sind jeweils unterschiedliche Vorgehensweisen möglich, die von Grad und Länge der Verengung abhängig sind.

Welche Prognose hat die arterielle Durchblutungsstörung?

Da die periphere arterielle Durchblutungsstörung von vielen Faktoren abhängt, ist es schwierig, eine genaue zeitliche Prognose zu treffen. Diese hängt jedoch neben dem Stadium sehr stark davon ab, in wie weit sich die Ursachen behandeln lassen. So besteht eine schlechte Prognose, sollte das Rauchen nicht aufgeben werden. Dies und ein schlecht behandelter Diabetes mellitus erhöhen das Risiko stark, einen erneuten Verschluss zu erleiden ! Auch Amputationen sind häufiger. Zudem muss beachtet werden, in wie weit die Arteriosklerose andere Gefäße bereits angegriffen hat. Zu den dadurch hervorgerufenen Komplikationen zählen insbesondere die koronare Herzkrankheit ("KHK"), Verengungen der hirnversorgenden Arterien und andere Erkrankungen, die aus den Risikofaktoren entstanden sind.